Transfercoup des FC Rüthi: FCSG-Rapper Kräuchi rockt die 2. Liga
Alessandro Kräuchi (28) spielte einst in der 1. Mannschaft beim FC St. Gallen. Nun hat er fünf Ligen tiefer beim FC Rüthi einen Vertrag unterzeichnet.
Alessandro Kräuchi (28) spielte einst in der 1. Mannschaft beim FC St. Gallen. Nun hat er fünf Ligen tiefer beim FC Rüthi einen Vertrag unterzeichnet.
Fussball Die Pulsuhr zeigt 184 Herzschläge pro Minute! In einer anderen Einstellung sieht man Modell-Athlet Alessandro Kräuchi, wie er oben ohne Klimmzüge (fast) ohne Ende hinlegt. Auf seinem Rücken ist auf englisch der Spruch «Gott steht hinter mir, ich kann nicht verlieren» tätowiert. Auch drei Sportler-Menüs mit hohem Proteingehalt, die Kräuchi für seinen muskelbepackten Körper braucht, sind fotografisch festgehalten. Zu sehen sind diese Aufnahmen auf dem Instagram-Account des ehemaligen St. Galler Fussball-Profis. Gelikt werden die Beiträge unter anderem von St. Gallens Kult-Goalie Ati Zigi (zurzeit mit Ghana an der WM) und dem ehemaligen Barcelona-Schüler Jordi Quintilla.
Alessandro Kräuchi betont: «Ich versuche, so athletisch wie möglich zu werden.» Wie viele Kilo Muskeln hat er seit seiner FCSG-Zeit schon zugelegt? «Drei bis vier.»
Transfercoup für den FC Rüthi
Der Rheintaler Zweitligist FC Rüthi vermeldet die Transfernews vergangene Woche auf seiner Homepage unter dem Titel «Transfercoup: Alessandro Kräuchi kommt auf den Rheinblick». Joël Baumgartner, Chef der Spielkommission, strahlt auf dem Foto mit dem neuen Aushängeschild des Klubs über beide Ohren. Zu lesen ist, dass der
ehemalige Berufsfussballer in der Provinz eine Doppelrolle als Spieler sowie Co- und Athletiktrainer übernehmen wird. Und: «Mit seinem Fachwissen bringt er wichtige Qualitäten für die kommende Saison mit.»
Kräuchi sagt: «Mein Hauptziel ist es, so bald wie möglich im Fitnessbereich zu hundert Prozent selbstständig zu sein.» Im LCF Gym in Romanshorn bietet er schon heute Personal Trainings an. Zuletzt spielte der rechte Aussenverteidiger beim Schwyzer Erstligisten Tuggen.
Bekannt auch durch seinen Rap
Schweizweit bekannt wurde der Nachwuchsfussballer aus Wittenbach SG im Dezember 2019 als Spieler des FC St. Gallen. Kräuchi hatte bei der Weihnachtsfeier der Überflieger (die Espen waren nach 20 Spieltagen Tabellenführer) einen Auftritt vor der Mannschaft. Der damalige Trainer Peter Zeidler (heute bei GC) war begeistert: «Die ganze Mannschaft performte den Song. Mir kamen fast die Tränen.» Kräuchis Song? Mehrsprachig, frech, verrückt. Und nicht wirklich jugendfrei. «Die Liga wird gefi***», heisst es im Lied. Der Rap (zu deutsch: schneller Sprechgesang) war wohl auch deshalb nicht für die Öffentlichkeit, sondern nur für den internen Gebrauch gedacht. Doch am nächsten Tag landet Kräuchis Song via Whatsapp-Gruppe der Spieler beim St. Galler Fan-Magazin «Senf» und von da im Internet. Der Kräuchi-Rap wird auch in einer zensierten Version im St. Galler Radio FM1 ganz kurz angespielt. Am selben Abend entfernt «Senf» Kräuchis Werk wieder von allen Kanälen.
In Heftis Fussstapfen getreten
Im Sommer 2020 schreibt Kräuchi beim FC St. Gallen auch fussballerisch Schlagzeilen: Da Captain und Rechtsverteidiger Silvan Hefti an Liga-Krösus YB nach Bern verkauft wird, darf der Hobby-Rapper in die grossen Fussstapfen von Hefti (spielt heute bei D.C. United in den USA) treten. Im Februar 2021 gelingt Kräuchi beim 1:2 in Vaduz sein erstes Super-League-Tor.
Kreuzbandriss warf ihn zurück
Doch nach 18 Spielen in der
höchsten Liga ist im März 2021 Schluss: Er reisst sich im linken Knie gleich das vordere und hintere Kreuzband. Das wirft den hoffnungsvollen Nachwuchsfussballer für über ein Jahr zurück. In der Saison 21/22 kommt er in der 1. Mannschaft keine einzige Sekunde zum Einsatz. In der darauffolgenden Spielzeit kommen nur 57 Minuten dazu. 2023 wechselt Kräuchi eine Liga tiefer zum Challenge-Ligisten Vaduz und wird dort gleich Stammspieler. Doch in der Saison 2024/25 steht er nur noch sieben Mal in der Startelf. Vor einem Jahr geht Kräuchi zum Schwyzer Erstligisten Tuggen. Und jetzt greift er im Gym und beim FC Rüthi wieder an.
Max Kern
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