Bahnausbau stiefmütterlich behandelt
Die Vernehmlassungsvorlage «Verkehr'45» benachteiligt die Ostschweiz bei der Schiene erneut. Das ruft nach Opposition.
Die Vernehmlassungsvorlage «Verkehr'45» benachteiligt die Ostschweiz bei der Schiene erneut. Das ruft nach Opposition.
Verkehrsinfrastruktur Weiterhin traktandiert ist das St. Galler Tram, erste Etappe bis Heiligkreuz mit
reinem Aufwand von 300 Millionen, obwohl dieses politisch stark umstritten ist, aber vom St. Galler Stadtrat weiterhin postuliert wird. Aus dem SBB-Programm vorerst gestrichen wurde die Schliessung der Doppelspur-Lücke Rorschach – Rorschach Stadt für 35,2 Millionen als Folge notwendig gewordener Sparmassnahmen, doch bleibt das Projekt mit reduzierten finanziellen Mitteln bis 2045 im Programm. Aus Kostengründen entgegen den früher festgelegten Ausbauschritten sind noch keine starken Verbesserungen auf der Strecke Zürich – Winterthur vorgesehen, was zusätzliche Schnellzugs-Angebote mit Reduktion der Fahrzeit St. Gallen – Zürich schwieriger macht. Immerhin wird nun der Brüttener Tunnel in Angriff genommen, der Ende 2037 in Betrieb genommen werden soll. Für den Bahnhof St. Gallen steht weiterhin eine Leistungssteigerung in der Planung, doch der Vollknoten ist in die Ferne gerückt.
Mehr im Strassenbereich
Im Strassenbereich ist die dritte Röhre Rosenbergtunnel samt Spange mit Kosten von 1,51 Milliarden mit höchster Priorität aufgeführt, obwohl die Stadt St. Gallen mit der Abstimmung über das schweizerische Gesamtpaket diesen abgelehnt hat. Die zusätzliche Verkehrsfläche soll gemäss Bundesrat auch künftige Sanierungen erleichtern. Weiter wird darauf hingewiesen, dass dieser Ausbau vor allem dazu dient, den Siedlungsraum in der Agglomeration von räumlich unerwünschtem Verkehr zu entlasten.
Ausbau Meggenhus gestrichen
Weiterhin vorgesehen ist der Bau
der N23 Umfahrung Amriswil mit Anschluss Romanshorn. Ausbauten rund um Zürich verbessern die
Erreichbarkeit aus der Ostschweiz. Die Umfahrung Wilen (Herisau) ist auf den Realisierungshorizont 2055 gelegt worden, sodass die Verkehrsprobleme wegen Überlastung hier noch lange bestehen bleiben. Gestrichen wurde definitiv der Ausbau St.Gallen-Neudorf bis Meggenhus wegen «geringen Handlungsbedarfs».
Fuss- und Veloweg-Projekte
Im Bereich Fuss- und Veloverkehr sind im Rahmen von Agglomerationsprogrammen in der Region St. Gallen für die Mitfinanzierung von 35 Prozent der Kosten durch den Bund der Knoten Schwänli in Herisau (Gesamtkosten 35 Millionen Franken), die Unterführung Scholastikastrasse in Rorschach (6,27 Millionen Franken), der Velosteg unter dem A1-Viadukt in Goldach (7,32 Millionen Franken), die Passerelle Kantonsspital-Museumsquartier (7,14 Millionen Franken) und die Velovorzugsroute St. Leonhardsbrücke (12,39 Millionen Franken) vorgesehen.
Neugestaltung Marktplatz-Bohl
Pauschal mitfinanziert werden überdies die Fuss- und Velorouten Schwänli-Mooshalden (9.91 Millionen Franken) sowie Riethüsli – Teufen (5,65 Millionen Franken) mit Brücke Wattbach. Bei den Verkehrsdrehscheiben (Priorität B)
stehen die Neugestaltung des Bushofes Wittenbach (7,93 Millionen Franken), die Neugestaltung Marktplatz-Bohl (14,87 Millionen Franken Anteil) und der Bahnhof Winkeln mit Bushof (2,97 Millionen Franken) an.
Bereits massive Kritik
Bereits sind massive Kritiken aus der Ostschweiz wegen den sehr geringen Schienenausbauten erfolgt. Die sieben Ostschweizer Kantone wollen im Rahmen der Vernehmlassung Nachbesserungen verlangen und kritisieren die
Streichungen scharf.
Man hört auch Kritik, dass am 800 Millionen Franken teurem Grimseltunnel festgehalten wird, während der Ausbau stark frequentierter Linien hinausgeschoben wird. In linken Kreisen herrscht erneut Unmut besonders darüber, dass Milliarden in Strassenprojekte fliessen, wie in die dritte Röhre des Rosenbergtunnels, aber kaum Mittel für
die Verbesserung des Bahnangebotes.
Von Franz Welte
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