Fabian Rütsche
wurde kürzlich mit dem St.Galler Comedy Award ausgezeichnet.
Beat Tinner, Regierungsrat und Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartements.
Der Kanton St.Gallen lanciert mit dem neuen Online-Portal «Startup-Guide» einen digitalen Gründungsservice. Während die Regierung auf Vereinfachung und Vernetzung setzt, fordern die Jungfreisinnigen des Kantons St.Gallen weitergehende steuerliche Anreize für innovative Jungunternehmen.
Firmengründungen Mit dem neuen Online-Portal «Startup-Guide» hat der Kanton St.Gallen einen zentralen digitalen Gründungsservice eingeführt. Ziel ist es, Unternehmensgründungen einfacher, schneller und vollständig digital abzuwickeln. Gründerinnen und Gründer können neu sowohl Firmengründungen als auch Handelsregistermutationen zeit- und ortsunabhängig online erledigen. Im Zentrum des Angebots steht der digitale Gründungsschalter, der erstmals schweizweit alle wesentlichen Schritte in einem durchgängigen Prozess vereint. Die erforderlichen Dokumente werden gesetzeskonform durch Fachpersonen erstellt, Unterschriften erfolgen digital und die Anmeldung beim Handelsregister wird direkt übermittelt. Der bisher notwendige Gang zum Notariat oder zur Gemeindeverwaltung entfällt damit vollständig. Ergänzt wird der Gründungsschalter durch digitale Werkzeuge zur Ausarbeitung und Überprüfung von Geschäftsmodellen, zur Erstellung von Businessplänen sowie durch Vorlagen, Beispiele und praktische Tipps. Zudem bietet der Startup-Guide Informationen zu den verschiedenen Aufbauphasen eines Unternehmens, einen Überblick über das kantonale Startup-Ökosystem sowie Hinweise auf relevante Anlässe. Das Portal wurde im Auftrag des Kantons vom IFJ Institut für Jungunternehmen entwickelt und wird auch betrieben. Es ergänzt die bestehenden Startup-Beratungsstellen in St.Gallen, Buchs und Rapperswil-Jona, die Gründerinnen und Gründer weiterhin persönlich unterstützen.
Für die St.Galler Regierung ist der Startup-Guide ein zentraler Baustein ihrer Startup-Förderstrategie. Regierungsrat Beat Tinner, Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartements, ordnet das neue Angebot in einen grösseren Zusammenhang ein. «Die Startup-Förderstrategie des Kantons St.Gallen sieht ein umfangreiches Set an Massnahmen vor, um das bestehende Ökosystem weiter zu stärken. Der Startup-Guide ist eine davon», sagt Tinner. Die Einführung des digitalen Gründungsservices erfolgt vor dem Hintergrund zuletzt stagnierender Gründungszahlen. Der Kanton St.Gallen verzeichnete von 2024 auf 2025 als einer der einzigen Kantone ein negatives Wachstum von - 3.9 Prozent. Tinner relativiert diese Entwicklung jedoch: «Die Zahl der Unternehmensgründungen im Kanton St.Gallen hat sich in den letzten Jahren erfreulich dynamisch entwickelt. In den 2020er-Jahren wurde praktisch jedes Jahr ein neuer Gründungsrekord verzeichnet.» Der leichte Rückgang im Jahr 2025 betreffe zudem nicht nur Startups, sondern die Firmengründungen insgesamt. Parallel zum Startup-Guide wurden weitere Massnahmen umgesetzt. So eröffnete der Kanton zusätzliche Startup-Beratungsstellen, und erste Unternehmen profitierten vom HSG START Accelerator. Nun gehe es darum, das bestehende Förderangebot besser zu koordinieren und sichtbarer zu machen. «Nun möchten wir das breite Förderangebot weiterentwickeln, noch besser abstimmen, bekannt und sichtbar machen», so Tinner. Ein gemeinsamer Auftritt am START Summit im März sei der nächste Schritt.
Während die Regierung auf Prozessvereinfachung und Vernetzung setzt, fordern die Jungfreisinnigen des Kantons St.Gallen weitergehende strukturelle Massnahmen. In einer Medienmitteilung zeigen sie sich besorgt über die stagnierenden Neugründungen im letzten Jahr und sehen ungenutztes Potenzial, insbesondere im Umfeld der Universität St.Gallen. Ihr zentrales Anliegen ist eine zehnjährige Steuerbefreiung für neu gegründete, innovative Unternehmen mit zukunftsträchtiger Forschung und Entwicklung. Präsident Alessio Vaninetti kritisiert die bestehenden Regelungen. «Bei der aktuellen Regelung können Startups höchstens von Steuererleichterungen und nicht von einer echten Befreiung von der Steuerpflicht profitieren. Diese Regelung ist aus unserer Sicht ungenügend. Innovative Start-ups sollen in ihrer entscheidenden Aufbauphase nicht mit steuerlichen und bürokratischen Belastungen konfrontiert werden», sagt Vaninetti. Ziel sei es, dass Kapital primär in Wachstum, Forschung und Entwicklung investiert werden könne. Gleichzeitig begrüsst Vaninetti den neuen Startup-Guide ausdrücklich. «Der digitale Gründungsservice ist ein gutes und intelligentes Vorhaben. Er vereinfacht Prozesse, senkt Hürden und kann die Umsetzung von Gründungsideen spürbar beschleunigen», hält er fest. Digitale Instrumente allein reichten jedoch nicht aus. «Digitale Prozesse sind notwendig, aber sie allein schaffen noch kein innovationsfreundliches Ökosystem.»
Regierungsrat Tinner betont, dass das St.Galler Steuergesetz bereits heute entsprechende Möglichkeiten vorsehe. «Auch das St.Galler Steuergesetz sieht in Art. 11 explizit vor, dass die Regierung den Unternehmen, die neu eröffnet werden und dem wirtschaftlichen Interesse des Kantons dienen, Steuererleichterungen gewähren können», so Tinner. Gleichzeitig relativiert er die Wirkung solcher Instrumente. «Steuererleichterungen greifen jedoch nur, wenn überhaupt steuerbare Gewinne erzielt werden», gibt er zu bedenken. Gerade in der Startphase erzielten viele Unternehmen noch keine oder nur geringe Gewinne. Als weiteres Instrument nennt Tinner sogenannte Steuer-Rulings, die zwar keine Erleichterungen darstellten, aber Rechtssicherheit schafften. «Diese nützen den Unternehmen insofern, als sie mehr Rechtssicherheit bezüglich Steuerfolgen bekommen», so Tinner.
Der Startup-Guide ist Teil einer umfassenden Standort- und Innovationsstrategie der St.Galler Regierung. Diese umfasst unter anderem Investitionen in Bildung und Infrastruktur, etwa den Neubau des Campus Platztor für Studierende der Universität St.Gallen, das geplante Berufs- und Weiterbildungszentrum in Rapperswil-Jona sowie eine gemeinsame Professur von ETH Zürich und Empa in St.Gallen. Für Tinner ist klar, worauf es ankommt: «Die Vernetzung von Wirtschaft, Forschung und Bildungsinstitutionen sind Erfolgsfaktoren.» Mit innovationsfördernden Rahmenbedingungen wolle der Kanton nicht nur Gründungen ermöglichen, sondern Unternehmen auch langfristig im Kanton halten. Gezielte neue Angebote wie beispielsweise der HSG START Accelerator unterstützen Startups in der Wachstumsphase, damit sie nicht nur im Kanton gründen, sondern auch wachsen», so Tinner.
Selim Jung
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