Susanne Hartmann
erntet für Ihre Aussagen zum Autobahnausbau harsche Kritik.
Die Petitionäre bei der Übergabe der Petition.
Mit einer Petition haben sich über 600 Personen dafür ausgesprochen, dass das St.Galler Kinderfest weiterhin im bisherigen Dreijahresrhythmus stattfindet. Der Stadtrat hält dagegen und verweist auf den gestiegenen organisatorischen Aufwand sowie auf die Situation an den Schulen.
Kinderfest Am vergangenen Mittwoch überreichten Mitglieder des Petitionskomitees dem St.Galler Stadtrat die Petition «Keine Ausreden und das Kinderfest retten – Stadttradition stärken!». 634 Personen aus Stadt und Region fordern, dass das Kinderfest weiterhin im gewohnten Dreijahres-Turnus durchgeführt wird. Das Komitee kritisiert, dass der Stadtrat die Petition nicht persönlich entgegengenommen habe. «Wer ein traditionsreiches Stadtfest auf dem Altar der Bürokratie opfern will, scheut offenbar auch den direkten Dialog mit der Bevölkerung», sagt Rene Neuweiler, Stadtparlamentarier für die SVP und Mitglied des Petitionskomitees. Die Petition richtet sich gegen den Entscheid, den Rhythmus des Fests auf vier Jahre zu verlängern.
Der St.Galler Stadtrat begründet die geplante Verlängerung des Turnus mit dem stark gestiegenen organisatorischen, personellen und finanziellen Aufwand. Das Kinderfest sei mit rund 30'000 bis 40'000 Besucherinnen und Besuchern eines der grössten Feste der Stadt. Rund 6’000 Schulkinder und 800 Lehrpersonen seien bereits ein Jahr vor dem Anlass mit Vorbereitungen beschäftigt. In den letzten Jahren seien die Anforderungen an Bau, Sicherheit und Verpflegung kontinuierlich gewachsen. So müssten heute umfangreiche Sicherheitskonzepte erstellt, strengere Hygienevorschriften eingehalten und eine breitere Menüauswahl inklusive vegetarischer und veganer Angebote gewährleistet werden. Zudem befinde sich die St.Galler Schullandschaft in einer herausfordernden Situation, etwa durch neue Verwaltungssysteme und Schulentwicklungsprojekte. Laut Stadtrat wünschen sich daher viele der direkt Beteiligten einen längeren Abstand zwischen den Festen. In einer Befragung gaben 60 Prozent der Lehrpersonen und über 90 Prozent der Schulleitungen und Ressortleitungen an, einen vierjährigen Rhythmus zu bevorzugen. Das nächste Kinderfest soll 2028 stattfinden; danach will der Stadtrat über den zukünftigen Rhythmus entscheiden.
«Wir haben Verständnis für die Anliegen der Lehrerschaft und erkennen, dass das Kinderfest für sie einen Mehraufwand bedeutet. Man muss aber klar sagen: Im Stellenbeschrieb einer jeden Lehrperson in der Stadt St.Gallen wird man darauf hingewiesen, dass alle drei Jahre das Kinderfest stattfindet. Sie wissen also, welcher zusätzliche Aufwand auf sie zukommt. Es ist Teil des Jobs», sagt Neuweiler. Der Stadtparlamentarier stört sich besonders an der Begründung für die Verlängerung des Turnus. So wurden zum Beispiel auch die Umstellung auf elektronische Zahlungsmittel oder die allgemein angestiegenen Anforderungen an die Festwirtschaft als Gründe aufgeführt, weshalb das Fest verschoben werden müsse. «Unserer Meinung nach sind das alles Probleme, die organisatorisch lösbar sind. Dass der Turnus aufgrund solcher bürokratischen Ausreden geändert werden soll, können wir nicht nachvollziehen», sagt er.
Ein Vierjahres-Turnus, so Neuweiler weiter, würde für die Kinder einen Verlust bedeuten: «Bis anhin hatte jedes St.Galler Schulkind in jeder Schulstufe – Unterstufe, Mittelstufe und Oberstufe – jeweils ein Kinderfest. Mit einem Vierjahres-Turnus ginge den Kindern eine wertvolle zusätzliche Erfahrung verloren.» Auch eine externe Organisation des Fests ist für die Petitionäre denkbar. Schliesslich gebe es genügend externe Organisationen, die darauf spezialisiert sind, solche Grossanlässe zu organisieren. «Warum sollte man die Organisation des Kinderfestes also nicht abgeben, anstatt die Stadtverwaltung damit zu beschäftigen?»
Wie das St.Galler Tagblatt berichtete, haben sich inzwischen auch mehrere Unternehmen aus der Textilbranche gegen eine Änderung des Turnus ausgesprochen. Zu ihnen gehören unter anderem die Forster Group, Die Manufaktur und die Filtex AG. Man erkenne zwar an, dass der Aufwand für die Durchführung des Kinderfests gestiegen sei, doch der zusätzliche Aufwand lohne sich für einen Anlass wie das Kinderfest, meint Emanuel Forster, Co-CEO der Forster Group.
Das Petitionskomitee will weiterhin das Gespräch mit der Stadt suchen, schliesst aber eine politische Eskalation nicht aus. Sollte der Stadtrat an seiner Haltung festhalten, werde geprüft, das Anliegen über den Initiativweg in die Gemeindeordnung aufzunehmen. In seiner Medienmitteilung betont das Komitee die emotionale Bedeutung des Fests: «Das Kinderfest ist mehr als ein Anlass – es ist Identität, Geschichte und Hoffnung. Es ist ein Symbol dafür, dass St.Gallen mehr kann als sparen, streichen und verschieben.» Wie es weitergeht, hängt nun davon ab, ob der Stadtrat seine Haltung überdenkt – oder ob das Thema bald an die Urne kommt.
Selim Jung
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